Sie waren die Bildchronisten des Böhmerwaldes: die Fotografen Josef und Franz Seidel.
Seit einigen Tagen kann man im südböhmischen Český Krumlov / Krumau ein Museum besuchen, das im ursprünglichen Fotoatelier Seidel errichtet wurde. Nachrichten ...
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Wenn man das malerische einstöckige Haus in der Linzer Straße betritt, hat man den Eindruck, hier ist die Zeit vor etwa 70 Jahren stehen geblieben. An dem Ort, wo einst Josef Seidel und sein Sohn Franz gewohnten und gearbeitet haben, kann man nicht nur die Originaleinrichtung ihrer Wirkungsstätte, sondern auch viele Fotos bewundern, die hier entstanden sind. Das Vermächtnis der Fotografenfamilie umfasst nahezu 140.000 Glastafeln und Zelluloidnegative mit ausführlicher Dokumentation.
Das Museum des Fotoateliers Seidel ist wirklich einzigartig – dank der Komplexität und weil ein großer Teil des Lebenswerks der Fotografen erhalten geblieben ist, sagt Miroslav Reitinger, der Leiter des Entwicklungsfonds von Český Krumlov. Der Fonds, der eine Tochtergesellschaft der Stadt Krumau ist, hat drei Jahre lang an der Renovierung der Sehenswürdigkeit gearbeitet:
„Das Projekt ist nicht nur wegen der Darstellung eines auf Spitzenniveau renovierten Komplexes von Gegenständen interessant, sondern auch durch die Lebensgeschichte der Familie Seidel, die mit der Region von Krumau eng verbunden war.“
Josef und Franz Seidel fotografierten die Landschaft sowie das aktuelle Geschehen in der Region. In ihrem Atelier haben sie natürlich auch Porträts gemacht. Josef Seidel ist 1935 gestorben. Sein Sohn Franz, der 1938 bei der tschechoslowakischen Mobilisierung als Offizier einrückte, wurde 1939 von der Gestapo verhaftet. Bis 1940 saß er in Linz in Haft. Danach durfte er sein Fotoatelier nicht mehr führen und wurde in die Rüstungsproduktion geschickt. So überlebte er den Krieg. 1945 durfte Franz Seidel mit seiner Mutter im Unterschied zu seinem Bruder Helmut in Krumau bleiben. Seine Verlobte Marie wurde jedoch vertrieben.
Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten im Februar 1948 wurden alle Gewerbe liquidiert. Seidel durfte im Unterschied zu seinen tschechischen Kollegen keiner Fotografengenossenschaft beitreten, die ihm mehr Freiheit geboten hätte. Seine Firma wurde vom Kommunalbetrieb übernommen. Erst 1958 bekam Seidels Verlobte Marie von den Behörden die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft zurück. Daraufhin hat sie Franz Seidel geheiratet. Um Kinder zu haben, war es jedoch zu spät. Franz Seidel lebte in Krumau noch 40 Jahre lang, jedoch weitgehend zurückgezogen als ein eher verschlossener Mensch.
Das Museum des Fotoateliers Seidel wurde in Zusammenarbeit mit bayerischen und österreichischen Euregio-Partnern eröffnet. Die Mitarbeiter des Krumauer Entwicklungsfonds haben vor, Seidels Archiv allmählich zu digitalisieren. Dadurch können sie Interessenten die Einsicht ins Archiv auch im Internet ermöglichen. Schon jetzt können sich die Krumauer über ein mangelndes Interesse an den Familienfotos oder die historischen Ansichtskarten nicht beklagen.
Das Museum in der Linzer Straße ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, die letzte Führung beginnt stets um 17 Uhr.
(radio-Prag)
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